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Polly - Vom Schatten ins Licht

Hallo, ich bin Polly.

Vertrauen...

Ich möchte vertrauen...

Ich möchte dass du auf dein Herz hörst, mir in die Augen schaust und mich siehst. 

 

Ich bin Polly und ich bin in Rumänien geboren und habe dort die ersten Monate meines Hundelebens verbracht. Naja, eigentlich habe ich täglich ums Überleben gekämpft. Ich kann mich auch gar nicht mehr an so vieles erinnern, da ich noch sehr jung war aber ich weiß noch, dass es eine harte Zeit war, in der ich die meiste Zeit vom Hunger getrieben umherstreunte. Die Futtersuche bestimmte meinem Tagesablauf  und ich lief immer meine festen Runden ab, ich kannte ja die Plätze an denen meist etwas essbares zu finden war. Bis zu diesem einen Tag, der alles verändern sollte - für immer.

 

Meine Mama hat mir von klein auf immer wieder gesagt dass ich vorsichtig sein soll, immer aufpassen, besonders an den Straßen, auf denen die Blechmonster hin und her fahren. Sie hat mir auch erzählt dass sie beißen können und dass das fürchterlich weh tut, ja dass man von so einem Biss sogar für immer einschlafen kann! Also war ich vorsichtig, zumindest meistens. Nur an diesem einen Tag, da habe ich kurz Mamas Worte vergessen, habe voreilig gehandelt und das bitter bezahlt. Ich strich umher und entdeckte auf der Straße etwas leckeres zu essen. Da ich so großen Hunger hatte setzte mein Verstand aus und ich rannte schnell da hin. Ich hatte Sorge dass ein anderer Hund kommt und mir den Leckerbissen wegschnappt. Ich war also gerade dabei es mir schmecken zu lassen, als ich plötzlich das Brummen eines Blechmonsters hörte und es klang bedrohlich nah. Als ich aufsah, blickte ich dem Monster welches ziemlich schnell auf mich zukam direkt in die Augen. Für den Bruchteil einer Sekunde war ich starr vor Schreck aber dann versuchte ich noch wegzuspringen und meine Haut zu retten. Ich war zu langsam, das Blechmonster erwischte mich. Es biss zu und schleuderte mich davon. Alles ging so schnell und im ersten Moment spürte ich gar nichts aber dann kam mit einem mal der Schmerz der so schlimm war, dass ich vor ihm wegrennen wollte. Und da merkte ich es - ich konnte mich nicht mehr bewegen! Ich schaffte es einfach nicht die Kontrolle über meinen Körper zu bekommen, konnte nicht mal meine Pfoten bewegen. Jetzt war ich im wahrsten Sinne des Wortes erstarrt und gefangen in mir selbst mit diesem unfassbaren Schmerzen. Noch nicht einmal weinen konnte ich, so blockiert war jede einzelne Faser in mir. In dem Moment wünschte ich mir für immer einzuschlafen um diesem Alptraum den ich gerade durchlebte zu entkommen. Ich schloss meine Augen und hoffte wegzudämmern aber es war vergeblich. Als ich sie wieder öffnete war alles noch da: Der Straßengraben in dem ich lag, der Dreck, die Hitze und der Schmerz. Unzählige Blechmonster fuhren an mir vorbei und sogar ein paar Menschen gingen vorüber. Sie sahen mich kurz an und liefen dann einfach weiter. Haben sie denn nicht das Flehen in meinen Augen gesehen? Am liebsten hätte ich ihnen hinterher geschrien "Helft mir doch! Seht ihr nicht wie ich leide?", nur leider ging das nicht. So vergingen die Stunden und es wurde mittlerweile schon dunkel. Das hieß bald würde die Nacht anbrechen und das wiederum verschlechterte meine Situation noch mehr, denn nachts waren ein paar Menschen unterwegs die sich einen Spaß daraus machten und zu ärgern und zu quälen. Besonders wenn sie merkten dass wir wehrlos waren. Ich hoffte dass die Dunkelheit mich versteckt halten würde, so dass keiner von ihnen mich entdeckt. Die Zeit bis zum nächsten Morgen kam mir vor wie eine Ewigkeit, es war die pure Hölle. Dieser Schmerz, das ausgeliefert sein - ich hätte ja nicht mal wegrennen können und diese furchtbare Angst vor dem was vielleicht noch kommen könnte.

 

Als es wieder hell wurde, hielt plötzlich ein Blechmonster an und eine Frau stieg aus. Sie kam direkt auf mich zu und sprach dabei ganz ruhig mit mir. Das nahm mir etwas die Panik. Sie streichelte mich ganz sanft und hob mich behutsam aus dem Graben auf. Ich legte mein Leben in des Schicksals Hände, was blieb mir auch anderes übrig, ich war noch immer völlig unfähig mich zu bewegen. Sie trug sie mich zu ihrer Blechkiste und fuhr mit mir zu einer anderen Frau, die mich auf einen Metalltisch legte und sich sofort um mich kümmerte. Sie gab mir etwas, was meine Schmerzen viel weniger werden ließ und ich konnte zum ersten mal seit über einem Tag schlafen. Beruhigt schlafen.  Als ich wieder wach wurde, stellte ich fest dass ich jetzt in einer Art Hinterhof war und es waren auch noch ein paar andere Hunde dort. Sie erzählten mir, dass ich keine Angst mehr haben muss und dass ich hier sicher bin. Die Frau, die mir geholfen hat, kümmerte sich um alle die hier waren und sie nannten sie "die Tierärztin". Kurze Zeit später kam sie auch zu uns heraus und sah nach mir. Sie lächelte mich an und sagte, dass alles gut werden würde und ich erstmal bei ihr bleiben kann. Ich war immer noch sehr schwach aber leckte ihr dankbar über die Hände. Ihre Worte waren für mich ein kleines Licht dass die Dunkelheit meines Alptraums erhellte. Und so konnten mit der Zeit langsam meine Wunden heilen. Nach ein paar Wochen konnte ich sogar schon humpelnd laufen. Das war nicht schön aber immerhin konnte ich mich endlich wieder bewegen.

 

Und dann kam eines Tages "sie" durchs Tor und unsere Blicke trafen sich. Ich spürte sofort dieses unsichtbare Band zwischen uns und merkte dass es ihr genauso ging. Es war Liebe auf den ersten Blick. Jetzt fragt ihr euch sicherlich, wer "sie" ist, oder? Na mein Frauchen! Mein ein und alles! Sie war damals gerade in Rumänien um Straßenhunden wie mir zu helfen. Das macht sie übrigens jedes Jahr zwei mal, sie ist so eine liebe Seele, hilft den ärmsten der Armen und hat so schon einige Leben gerettet. So wie meins. Ihr zu Begegnen war Schicksal, eine Wende, sie hat mich mit ihrer Liebe ganz geheilt. Und so war es von Anfang an klar, dass ich sie zurück begleite in ihr zu Hause, dass jetzt auch meine Heimat ist. 

 

Sie hat mich gesehen und auf ihr Herz gehört obwohl sie mich noch nicht kannte.

Ihr schenke ich mein ganzes Vertrauen...

Hintergrundinformation:

 

Polly wurde als Welpe in Rumänien von einem Auto angefahren und blieb schwer verletzt im Straßengraben liegen. Sie konnte sich nicht mehr bewegen und wurde glücklicherweise von einer Tierschützerin gefunden und zu einer Tierärztin gebracht. Bei dieser blieb sie einige Wochen, bis ihr Frauchen sie dort traf und entschloss, sie mit nach Deutschland zu nehmen. Pollys Wunden sind mittlerweile vollständig verheilt und sie kann wieder problemlos laufen.

 

Pollys Frauchen und ein paar ihrer Freunde fahren 2 x im Jahr auf eigene Kosten nach Rumänien (Orastje) um vor Ort zu helfen. Sie nehmen Futterspenden mit, bezahlen Kastrationen usw. Durch ihr beachtliches Engagement konnten schon einige Hundeseelen gerettet werden. Die Gruppe hat auch eine eigene Facebookseite, die hier zu finden ist: Wir sind Hilfe für  Orastjes Streuner 

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Kommentare: 1
  • #1

    Nicole (Sonntag, 04 März 2018 12:07)

    Und wieder bringst du mit den richtigen Worten Lebendigkeit in eine Geschichte die das Herz berührt!