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Donna - Vom Schatten ins Licht

Die Sonne ging auf und streichelte uns mit ihren warmen Strahlen,

doch kurz darauf verdunkelte sich der Himmel.

Ein Sturm zog auf und riss mich mich fort.

 

Ich war doch noch so jung, fast noch ein Baby...

 

Kaum geboren, war mein Leben auch fast schon wieder vorbei und meine erste große Liebe, meine Mutter, durfte ich nie wirklich kennenlernen... Lass mich dir meine Geschichte erzählen aber dafür müssen wir zuerst bis an den Anfang meines Lebens zurückgehen:

 

Ich wurde in Ungarn mit meinen Geschwistern geboren und auch wenn ich nicht vielZeit mit meiner Mutter hatte, so erinnere ich mich immernoch an das schöne Gefühl, wenn sie mir liebevoll mit ihrer weichen Zunge übers Fell geleckt hat und mich vorsichtig mit ihrer Nase anstupste um mich zum Trinken zu animieren. Sie war schön. Sie war so wunderschön und sie hatte die wärmsten braunen Augen, die man sich nur vorstellen kann. Ihr Blick war stets voller Liebe und in ihrer Brust trug sie das Herz einer Löwin. Bei ihr fühlten wir uns sicher und wir lauschten jeden Tag gespannt ihren Geschichten, welche sie uns immer zum Einschlafen erzählte. Es waren Geschichten von Hundehelden, die große Abenteuer erlebten, allen Gefahren trotzten, von Freundschaften, der großen Liebe, und über die Treue eines Hundes. Sie sagte immer, unsere Treue könne man sich nicht erkaufen und auch nicht über Bestechung erlangen. Aber haben wir einmal jemanden, egal ob Hund oder Mensch, die Treue geschworen, so halten wir sie unser Leben lang, auch wenn dies unseren eigenen Untergang bedeuten sollte. Damals wusste ich noch nicht so genau was sie damit meint aber kurz darauf mussten wir es sehr schmerzlich erfahren. 

 

Eines Tages kam nämlich ein Mann und packte eins nach dem anderen meiner Geschwister um sie anschließend achtlos in eine kleine Kiste zu werfen. Meine Mutter war außer sich und bellte und jaulte wie verrückt. Sie knurrte sogar, das erste und einzige mal in meinem Leben, dass ich dieses Geräusch von ihr hörte. Die Hand griff nun auch nach mir. Meine Mutter warf sich augenblicklich dazwischen um mich vor ihr zu schützen, doch es war vergebens. Ein starker Tritt traf hart ihre Rippen und sie fiel winselnd zur Seite. Doch sie raffte sich schnell wieder auf und humpelte erneut in meine Richtung. Aber die Hand war diesmal schneller. Ich wurde grob im Nacken gepackt und in die Kiste zu meinen Geschwistern geworfen. Unsere Mutter versuchte nun ein letztes mal den Mann aufzuhalten, doch sie bekam noch einen Tritt ab, nun lag sie nur noch wimmernd am Boden und konnte nicht mehr aufstehen. Als der Mann uns davontrug, hörte ich ihre sonst so sanfte Stimme ein letztes mal. Doch diesmal hatte sie den verzweifeltsten Klang, den ich jemals gehört habe. Manchmal höre ich ihn noch nachts in meinen Träumen. Dann wache ich auf und sehe kurz meine Mutter vor mir - aber ein Augenblinzeln später ist sie schon wieder verschwunden. 

 

Der Mann brachte uns an einen Ort, an dem viele Hunde in engen Zwingern auf kaltem Beton untergebracht waren. Wir kannten aufgrund unseres Alters zwar noch kaum etwas - wir waren ja erst ein paar Wochen am Leben - aber hier hing ein Geruch in der Luft, den jedes Lebewesen sofort erkennt, auch wenn es ihn noch nie zuvor riechen musste: Es roch nach Tod.

Der Mann gab uns bei einem anderen Menschen ab und ging. Nun schauten zwei neue unbekannte Augen kalt auf uns herab und wir wurden ebenfalls in einen kleinen Zwinger verfrachtet. Wir sahen uns zitternd und schweigend an, denn jeder von uns hatte unfassbare Angst. Dieser Ort wirkte so bedrohlich, als könnte er einen verschlingen. Und das schien er auch zu tun, denn wir sahen wie Hunde aus ihren Zwingern gezogen wurden und nie wieder kamen. Nur der Todesgeruch verstärkte sich mitunter für kurze Zeit und manchmal hörte man klägliche Laute hinter verschlossenen Türen.

 

Wir waren noch nicht lange dort, nur ein paar Tage, dann kamen wieder fremde Menschen in die Anlage, gingen von Zwinger zu Zwinger, hielten ab und an eine Pfote, gaben etwas zu essen oder streichelten liebevoll einen Kopf, der sich gegen das Gitter presste. Sie blieben schließlich auch bei uns stehen und sahen uns traurig an. Dann gingen sie zu dem Menschen mit den kalten Augen und sprachen mit ihm. Daraufhin holte er uns aus dem Zwinger und gab uns den Fremden. Wir hatten immer noch schreckliche Angst aber wir spürten dass ihre Herzen voller Güte waren. Diese Menschen nahmen uns schweigend und mit Tränen in den Augen mit fort und brachten uns an einen Platz, an dem ebenfalls viele Hunde untergebracht waren. Jedoch roch es hier nicht nach Tod und die Hunde freuten sich wirklich über die Ankunft der Menschen. Dort blieben wir einige Wochen und wir wurden gepflegt und versorgt bis wir stark genug waren um auf eine große Reise in ein neues Land und einen neue Heimat zu gehen. Als der große Tag kam und es soweit war, wurden wir in Boxen in einem Auto mit vielen anderen Hunden untergebracht. Die Fahrt kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, doch dann war ich plötzlich am Ziel. Die Autotür wurde geöffnet und der Fahrer übergab mich einer Frau, die mich mit großen Augen anschaute. Ich spürte ihre Aufregung. Und auch ich war aufgeregt, denn ich wusste ja nicht wo ich bin und was nun mit mir passiert. Der Fahrer stieg wieder in das Auto und fuhr weiter zum nächsten Ziel. Zurück blieben die Frau und ich auf ihrem Arm. Es hat sicherlich komisch ausgesehen wie wir beide uns aufgeregt mit großen Augen angeschaut haben. Aber eine ganz leise und sanfte Stimme flüsterte in dem Moment in mein Ohr: "Hier bist du richtig. Das ist dein neues Zuhause und sie ist der Mensch, dem du deine Treue schwören wirst." Ich glaube bis heute dass es meine Mama war.

 

Die Stimme hatte Recht, denn sie ist mein Mensch und Anführerin meines neuen Rudels, denn mittlerweile lebt hier noch ein Hund, der eine weite Reise aus einem Land Namens Rumänien bis hier her hinter sich hat. Und ihnen habe ich meine Treue geschworen! Mein Frauchen hatte so unglaublich viel Geduld mit mir, denn ich war anfangs noch sehr ängstlich und bin auch immer noch ein Sensibelchen. Außerdem bin ich sehr vorsichtig wenn ich neue Menschen kennenlerne und mag keine Plätze, an denen viele von ihnen sind. Aber ich habe etwas bekommen, was mir Sicherheit gibt: Mein Ball! Den nehme ich überall mit hin, wenn ich darf, und ihm erzähle ich alle meine Träume und Geheimnisse. Und er erinnert mich an meine Mama, denn sie hatte auch einen Ball, den sie sehr liebte und mit dem wir Welpen gern gespielt haben.

 

Ich bin froh, nun angekommen zu sein und liebe mein Frauchen und die freche Rumänin über alles. Und auch wenn ich eher vorsichtig bin, ich würde die beiden nie im Stich lassen! Du weißt ja, die Treue eines Hundes...

 

Als die Sonne aufging zog kurz danach ein Sturm auf und riss mich fort.

Doch die Liebe meiner Mutter war mein Kompass führte mich sicher durch ihn hindurch.

 

Zu meinem neuen Zuhause. 

 

Ich bin Donna und das ist meine Geschichte.

 

 

 Die Urheberrechte für Foto und Text liegen bei Lysann Morgenstern Fotografie

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