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Vom Schatten ins Licht - Nala

Zum Start der 2. Staffel von "Vom Schatten ins Licht" erzählt Lisa die Geschichte von ihrer geliebten Nala. Doch bevor es losgeht, möchte ich ein Zitat von Lisa voranstellen, welches die beiden und ihren Weg unglaublich treffend beschreibt:

 

"Kämpferinnen geben nicht auf. Sie lernen loszulassen."

 

Es hat länger gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Und auch wenn ich eigentlich ein Buch über sie schreiben könnte, würden selbst diese Zeilen nicht ausreichen, um Nala so zu beschreiben, wie sie es verdient hat.

 

Nala war eine Kämpferin durch und durch. Sie hatte so einen schweren Start und unsere täglichen Höhen und Tiefen haben sie und uns sehr geprägt. Vor allem aber hatte die Spanierin Eines durchgezogen: Die Lebensfreude und den unermüdlichen Kampfgeist. Fast bis zum Schluss hatte sie eine Lebensenergie und Freude an ihrem Hundeleben. Sie genoss es und hat sich mit dem zufrieden gegeben, was sie körperlich konnte. Sie hatte es akzeptiert und mit uns gemeinsam Tag für Tag entschieden wie der Tag wird, bis welche Grenze wir gehen können und wann eine Pause eingelegt wurde. Was das bedeutete? Nun ja… Nala hatte viele Baustellen. Viele von euch hier kennen ihr Schicksal mit der Fehlkastration in Spanien, die dazu führte, dass eine Niere zu ca. 90 % entfernt werden musste und eine Kettenreaktion anderer Folgekrankheiten auslöste. Kaputte Niere, Leishmaniose, chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Morbus Addisson Syndrom, Blutarmut, die kaputte Pfote/n durch die Misshandlungen in Spanien und eine Autoimmunerkrankung. Alles in allem meinen die Tierärzte, dass es um sie schlecht steht. Ihre Werte waren durchgehend so schlecht, dass sie klinisch tot sein müsste – wenn man nur die Werte betrachtete. Die Fütterung war eine reine Wissenschaft für sich und die Medikation auch. Wöchentlich haben wir Kontakt mit der TA gehalten, so viele Dinge zu Hause selber machen dürfen, damit es für Nala so angenehm und stressfrei wie nur möglich gestaltet werden kann. Also bin ich irgendwie doch Tierärztin nebenbei geworden und die Homöopathie habe ich auch intensiver wieder auffrischen können. Unser morgendliches „Guten Morgen“ und ihre Reaktion darauf verriet uns, wie sie drauf ist. Entweder sie kugelte sich auf den Bauch, streckte sich dabei und wollte herumalbern – dann wird es ein guter Tag.

 

Oder aber sie wedelte nur mal kurz mit dem Schwanz und stand so langsam aber gemütlich auf – dann wurde ein schlechter Tag. Entweder sie humpelte mit ihrer Pfote oder hatte ein anderes Symptom, so wurde entschieden nichts Großes zu unternehmen und eher kleine Runden einzubauen. Und wenn es nur eine Autofahrt als Highlight gab, denn sie liebte es auch einfach im Auto zu sitzen und sich den Wind bei geöffnetem Fenster um die Nase wehen zu lassen.

War aber ein guter Tag, so konnten wir längere Spaziergänge machen und einfach draußen sein  - mit dem ein oder anderen Hund treffen. Oft wurde auch aus einem guten Tag ein schlechterer und wir mussten alles wieder umplanen. Aber auch das hatte am Ende immer sein Gutes. Sie hat uns immer zusammengehalten und vor allem hat sie mir beigebracht, egal wie schlecht oder dreckig es mir geht, immer weiter zu machen und sich nicht hängen zu lassen. Bevor sie kam, habe ich das nicht so gut gekonnt. Wenn ich down war oder um etwas getrauert habe, habe ich mich regelrecht hängen lassen und wollte eigentlich ein schwarzes Loch, in das ich so richtig tief reinfallen kann. Das ist nur einer der vielen Gründe, warum ich ihr Wesen so geschätzt habe. Sie hat auf Erden etwas Großartiges vollbracht. Ihre Aufgabe war es auch irgendwie, mir zu zeigen, auch wenn man allein mit etwas dasteht, dafür zu kämpfen. Auch wenn alle Zeichen gegen einen stehen. Es bleibt für mich ein Geschenk, dass wir sie bei uns hatten. Als wäre es gestern gewesen, weiß ich noch, wie ich ihr Bild im Internet gesehen habe und mich sofort verliebt hatte. Ich wollte diese Hündin und keine andere. Egal wie, ich wollte alles dafür tun. Nala hatte viele Bewerber. Ich bin unglaublich dankbar, dass sie zu uns gekommen ist. Dass sie die Chance bekam, ihre Lebensfreude kennenzulernen und man sie nicht aufgrund ihrer Baustellen aufgab. Sie hatte mehr als üble Startschwierigkeiten und trotzdem hat sie immer gezeigt, wie sehr sie es unbedingt schaffen möchte. Sie durfte zwei Sommer mit uns erleben, ihren ersten und einzigen Schnee bewundern, einen Frühling und 2 x Herbstliebe zusammen genießen.

 

Ihre Lebensfreude und ihre unendliche Liebe war einzigartig. So eine Heldin. Ihre Lebensfreude wurde zum Glück nur kurze Zeit getrübt. Vom 07.11.21 bis 08.11.21. Es war Sonntag und beim täglichen „Guten Morgen“, war sie nicht freudig. Sie blieb liegen. Kurz raus, weil so wirklich Kraft hatte sie mit ihren wieder frisch abgenommenen 21,6 kg nicht. Seit einigen Wochen hatte sie Blut im Magen und im Darm, was einfach nicht weg ging. Es bedeutet wieder 2 bis 3 Tage nichts fressen aufgrund der Bauchspeicheldrüse die schnell kippt. Zwischendurch gab es Verbesserungen, dann wieder nicht. An dem Tag konnte sie sich aber dann kaum halten. Sie hat nicht mal mehr ihr Wasser drin behalten, dieses erbrach sie mit Blut. Sie wollte nicht gesehen werden, Körperkontakt mied sie, das Sofa war ihr jetzt auch nicht so das Wahre mehr. Bescheiden wie sie war, wollte sie uns nicht zur Last fallen und uns in Ruhe lassen. Sie hatte Fieber und zitterte. Wir hatten nun eine halbe Tierarztpraxis zu Hause und somit alles für Notfälle da. Somit haben wir ihr Infusion gegeben. Das Fieber und Zittern hörte auf, die Lebensfreude blieb weg. Sie war sehr traurig, aber musste sich mit dem Gedanken abfinden, dass jetzt der Moment genommen ist, loszulassen. Ihr Körper schafft es einfach nicht mehr. Wir verabschiedeten uns den ganzen Sonntag von ihr, auch Sonntag Nacht. Es fiel mir schwer, anders als bei meinen anderen beiden Mädels, in dem Moment so stark zu sein, um meine Traurigkeit zu verbergen oder anzuhalten. Es gab irgendwie keine Vorbereitungszeit. Das sie kein ewiges Hundeleben haben wird, wurde uns bereits gesagt. Aber das von heute auf Morgen es vorbei ist und sie einen Schnitt macht, war hart aber richtig. Eine Fahrt in die Klinik an dem Abend haben wir ihr erspart, denn außer Infusion die wir ihr eh schon gaben, entstehender Stress und eine Trennung von uns, wäre kein anderes Ergebnis dabei herausgekommen. Aufgrund der Werte fragte der Klinikarzt bereits im Sommer bei unserer Tierärztin nach, ob sie denn überhaupt noch lebe. Hier sieht man mal, wie sehr es doch wichtig ist, an Wunder zu glauben und die Art und Weise eines Tieres zu lesen, wie es mit seinem Leben umgehen möchte.

 

Ich schrieb unserer Tierärztin nachts noch, sodass sie es am Montag Vormittag möglich machte, dass wir vorbeikamen. Nala liebte die Besuche bei der Tierärztin, immer voller Freude. Somit war es auch kein Problem für sie, ihren letzten Weg in der Praxis anzutreten. Sie hatte noch einmal eine letzte Autofahrt vor sich, die sie nicht mehr wie sonst genießen konnte. Sie wollte sich unsichtbar machen. Zweimal schaut sie mich während der Fahrt an. Wie sonst, aber traurig. Sie hatte trotzdem Angst loszulassen. Als wir bei unserer TA reingegangen waren, verkroch sie sich bei ihr unter den Tisch. Nala gab zu verstehen, dass sie nichts mehr probieren möchte. Sie möchte nicht mehr. Es wäre davon mal abgesehen auch nichts mehr gegangen. Die Magen- und Darmwand müssen so entzündet gewesen sein, dass eine Sache in die nächste gegriffen hätte bei ihren ganzen Baustellen. Die Infusionen die wir ihr am Vortag spritzen, hingen immer noch als Wasserbauch gesammelt an ihr, ihr Körper hat diese nicht einmal mehr angenommen. Fest stand für uns bereits, dass wir kein Tier leiden lassen. Und niemals würde ich ein Tier am Leben erhalten, nur weil ich es möchte. Sie zeigen immer, wann Schluss ist. Und Nala traf ihre Entscheidung, die wir respektiert haben. Und nach wenigen Minuten ließen wir sie schmerzfrei einschlafen. Mein tapferes Mädchen. Sie hatte im Nachbarzimmer sogar eine laut miauende Katze. Sie liebte Katzen, hat aber nie eine bekommen. Somit hat sie ganz zum Schluss das Miauen als Begleitung gehabt. Irgendwie beruhigend in dem Moment gewesen. 1 ½ Jahre hat sie uns bereichert und ich bin für jede Sekunde dankbar. Sie hat uns noch einmal knallhart vor Augen geführt, auf was es wirklich im Leben ankommt. Sie hat es uns nicht nur gezeigt, sondern tagtäglich gelehrt – ob wir wollten oder nicht. Es gab keinen Alltagstrott, der das vergessen ließ. Jeder Tag verlief anders. Und das bleibt so unendlich wertvoll. Meine Nali, meine Guggelu, meine rote Beete, mein Bucheckerli, meine Nalimaus, meine Mausi. Sie wird immer den Platz bekommen, den sie verdient hat: Nala, meine Löwin und 2. Seelenhündin. Für immer. Ganz große Liebe. ❤️


Dich hat Nalas Geschichte berührt? Dann fühle dich ganz herzlich eingeladen einen Kommentar hier drunter zu schreiben.

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