Zu Besuch bei den Highland Rindern

Als wir aufbrechen, liegt ein dichter Nebel über der Stadt. Trotz dessen, das es erst Anfang August ist, sind die Temperaturen so gar nicht sommerlich. Je weiter wir auf's Land fahren, desto dichter wird der Nebel. Dadurch wirkt alles um uns herum fast herbstlich und bekommt einen mystischen Hauch. Da der Nebel auch alle Geräusche dämpft, herrscht eine angenehme Ruhe. Eigentlich das ideale Wetter um sich mit einer Decke und einer Tasse Tee auf die Couch zu kuscheln und einen Film zu schauen. Aber ich habe ja ein Ziel: Die Highland Rinder zu fotografieren! Als wir ankommen parken wir etwas abseits, da diese Tiere recht scheu sind - und noch dazu sind wir ja völlig Fremde für sie. Wir nähern uns vorsichtig, trotzdem legt die Herde erstmal den Rückwärtsgang ein und galoppiert davon. 
Wenn ich etwas in der Tierfotografie gelernt habe, dann wie wichtig es ist sich Zeit zu nehmen. Also hocke ich mich an den Rand der Heide hin und warte. Aus der Ferne blicken viele Augen mit einer Mischung aus Angst und Neugier auf mich. 

Es dauert jedoch nicht lange und die Neugier gewinnt die Oberhand. Die erste mutige Kuh kommt langsam in meine Richtung marschiert, bleibt stehen, schaut prüfend und läuft dann weiter auf mich zu. Ich nutze die Gelegenheit und schieße ein paar Fotos. Da die Kuh von mir weder erschreckt, noch gefressen wird, scheinen sich ihre Artgenossen jetzt ein Herz zu fassen und folgen ihrer Anführerin. Jetzt blicken viele Augenpaare aus nächster Nähe neugierig auf mich. Da ich aber nichts weiter mache als dazusitzen und ab und zu ein Foto zu knipsen, verlieren sie schnell das Interesse und gehen ihrer Tagesbeschäftigung nach. Zwei Rinder, die anscheinend dicke Kumpels sind, kuscheln sich sanft aneinander. Ich bin beeindruckt wie behutsam diese Tiere trotz ihrer Größe und imposanten Hörner, die teilweise gut und gerne einen halben Meter messen, miteinander umgehen. 

 

Plötzlich kommt ein Exemplar mit einer besonders interessanten Friese angestapft - diese ist wahrscheinlich der Hippie der Herde (nichts gegen Hippies!). Auffallend ist, dass sie die ganze Zeit allein ihr Ding macht, dies scheint sie aber nicht weiter zu stören. Aber das ist ja meistens so bei den Individualisten, die grenzen sich halt gern von der Masse ab.  Ohne Frage will ich dieses coole Geschöpf fotografisch festhalten! Sie scheint es zu ahnen und stellt sich in Pose. Perfekt! Das Foto ist im Kasten.

Auf einmal kommt Unruhe in der Herde auf, warum sehe ich einen Augenblick später: Zwei Raufbolde messen ihre Kräfte. Wie im "echten Leben" stehen viele Schaulustige ringsum (immer diese Gaffer...) und blockieren mir die freie Sicht aufs Geschehen. Mich dazu zu stellen erscheint mir dann doch zu gewagt, man will ja nicht unter die Räder, bzw. Hufe, kommen. Ich versuche trotzdem aus der Entfernung ein Foto zu machen und wie so oft ist mir das Glück hold, so dass ich die Szene festhalten kann - inklusive Gaffer. Da ich nicht mehr weiter hocken kann, stehe ich langsam auf. Sofort spitzen sich Ohren, Augen weiten sich und man merkt wie die Tiere sich wieder anspannen. Berta, die mit Marius in einiger Entfernung wartet, findet das ziemlich toll und bellt erstmal energisch. In der Tiersprache war das wahrscheinlich das sprichwörtliche "Buh!", was man sagt wenn man jemanden erschrecken will, denn die Herde stiebt augenblicklich mit Karacho davon. Viele Hufe donnern über die Nasse Erde, eine Rinder schlagen sogar aus und buckeln. Was für ein Anblick!
Das nehmen wir zum Anlass uns zu verabschieden (das mache ich immer) und fahren nach Hause, wo schon die warme Decke und eine Tasse Tee auf uns wartet. 

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